16.09.2016

GZSZ #6086: Lauwarmes und der Jonaktionismus [Folgenecho #0075]

Auch heute geht es wieder weiter - mit GZSZ und einem frischen WC!

Hauptsache Geschlecht


Kann es sein, dass dramatische GZSZ-Geschichten momentan gehäuft immer so "lauwarm" beginnen? Also so, dass man sich die halbe Folge lang fragt, warum diese heile Welt eigentlich so wichtig ist beziehungsweise ahnt, dass sie innerhalb kürzester Zeit einstürzen wird und es dann auf einmal doch brennend heiß wird? Sind damit jetzt Philip oder Leon und Sophie gemeint? Letztere. Sehr lange sieht es danach aus, als wäre die wichtigste Frage in der Geschichte "Junge oder Mädchen" und angesichts der von den werdenden Eltern in antizyklischer Tradition verteilten Geschlechterrollen für den kommenden Nachwuchs ein Rätsel, warum sie da überhaupt so auf eine Entscheidung pochen. Beim Ultraschall vergisst Sophie sogar sofort ihren eigentlichen Wunsch nach einem Jungen und freut sich über das Mädchen, was ja auch vollkommen richtig ist, aber spätestens ab diesem Moment wird die Sinnlosigkeit des Vorgeplänkels klar. Und dass die Bilder von dem Kind nun einen Schatten auf dem Herz zeigen, was die nicht besonders mitteilsame Ärztin erst sehr spät von sich gibt, wirkt ein bisschen wie die logische Konsequenz der Tatsache, dass zuvor in der Geschichte niemand den Spruch "Das Geschlecht ist doch egal - Hauptsache gesund" gebracht hat. Vor dem anstehenden Drama noch ein Satz zu Oskar: Hoffentlich halten ihn bestimmte politische Gruppen jetzt nicht aufgrund zu früher Aufklärung für sexuell verwirrt mit seinen fünf Jahren, weil sein Diskussionsbeitrag zur Frage "Junge oder Mädchen" lautet: "Ich mag beides". Behalten wir das trotzdem mal im Hinterkopf, falls er in der Serie alt werden und eines Tages bisexuell sein sollte.

Endstation


Nach Selmas Abreise leidet Jonas an einer sehr plötzlichen Krankheit, dem Jonaktionismus. Mit Alex' Kreditkarte will er ihr hinterher fliegen, als daraus nichts wird, bedient er sich zu den Klängen von "Dein ist mein ganzes Herz" aus der Spätkaufkasse und verrennt sich vor Lillys Augen völlig in den Plan, seiner großen Liebe hinterher zu reisen und sie vom Bleiben zu überzeugen. Anders als Philip fristet Lilly weiter ihr Nebenrollendasein und bietet sich als Stimme der Vernunft an, die ihrem Bruder schließlich klar macht, dass er die Zeit nicht mehr zurückdrehen kann. Deshalb steigen die beiden nicht aus der U-Bahn aus, um weiter in Richtung Flughafen zu fahren, sondern bleiben sitzen, sodass man hoffen muss, dass es sich um die Endstation handelt und die U-Bahn jetzt einfach wieder zurück fährt, weil die Geschwister sonst im Sonstwo landen. Dann darf es allerdings nicht die gleiche Linie sein, die Philip nutzt, denn die hat eine Endstation, an der sie ihre Fahrgäste rauswirft. Später schmeißt Jonas noch den Roller um, sodass man auch als Zuschauer auf den Gedanken kommen kann, dass dieser ganze Aufwand dafür völlig umsonst war, zumal Selma ihn ja nicht mal mehr später von ihren Berliner Freunden nach Bayern gebracht bekommen will. An dieser Stelle möchte ich mich übrigens noch mal herzlich dafür bedanken, dass Ayla mit in die Türkei geflogen ist.

Solo für Doktor Höfer


Das ist aber auch ärgerlich, dass für eine Party mit Doktor Höfer niemand zur Verfügung steht. Emily hat ein Kind, John ist in Kanada, die Medizinerfreunde, von denen wir eh kaum jemanden kennen, haben alle gleichzeitig einen Notfall. Einzig übrig bleibt Tuner, der seit kurzer Zeit erstaunlich wenig Probleme mit dem Ex-Stalker seiner besten Freundin hat, was ein bisschen sehr spät thematisiert wird. Damit ist die Versöhnung hier aber wohl endgültig durch. Dass der frisch gebackene Doktor wegen der Zeitverschiebung nachts mit seinem Bruder John in Kanada telefonieren muss, geschenkt, aber gibt es dafür nicht bessere Momente und Orte als eine Party in einem lauten Club? Letztendlich bleibt aber auch hier stehen: Das alles war erst das "Lauwarme". Denn das eigentliche Drama beginnt mit dem Filmriss am Schluss.